Mit Rückenschmerzen macht fast jeder im Leben Bekanntschaft. Mehr als zwei Drittel trifft es zum Glück nur einmal.
Akut oder chronisch?
Immerhin rund sieben Prozent der Bevölkerung werden wegen langwieriger, chronischer Rückenschmerzen behandelt. Als chronisch werden Rückenschmerzen bezeichnet, die seit mehr als zwölf Wochen bestehen. Verschleiß an der Wirbelsäule beziehungsweise an den Bandscheiben ist eine der Hauptursachen. Mit Abstand am häufigsten machen aber die Halte- und Bewegungselemente des Rückens – Muskeln, Sehnen, Bänder – Probleme.
Die Gründe: Bewegungsmangel, Haltungsfehler, Überlastung. Die gute Nachricht ist, dass man selbst viel gegen den damit verbundenen Rückenschmerz tun kann, am besten mit gezielten Rückenübungen und Haltungsschulung im Rahmen einer Physiotherapie. Auch Abnehmen bei Übergewicht, rückenfreundliches Schuhwerk und geeignete Matratzen helfen spürbar, den Rücken zu entlasten.
UNSERE EXPERTEN: Univ.-Prof. Dr. med. Reiner Gradinger, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Klingen akute Rückenschmerzen – im Kreuz oft als Hexenschuss (Lumbalgie) bezeichnet – nach kurzer Zeit nicht wieder ab, muss ein Arzt hinzugezogen werden. Bei Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche im Bein ("Ischias", siehe auch Kapitel Ursachen (1)) sowie bei Störungen der Blase, des Mastdarms und der Potenz ist dies unverzüglich notwendig. Auch akute Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Arm gehören in die Hand des Arztes.
Aber Achtung: In den Rücken können auch Schmerzen ausstrahlen, die an ganz anderer Stelle im Körper entstanden sind: beispielsweise in den Nieren (Koliken), im Unterleib (etwa bei einer Eileiter- und Eierstockentzündung), in der Bauchspeicheldrüse (Entzündung) oder Gallenblase (Entzündung, Koliken), im Herzen (Verengungen der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt) und nicht zuletzt in der Hauptschlagader (Aortenaneurysma, Ausbuchtung der Gefäßwand, eventuell Wandeinriss). Bei Depressionen schließlich sind Rückenschmerzen neben Schlafstörungen ein sehr häufiges körperliches Symptom.
Univ.-Prof. Dr. med. Reiner Bartl, Facharzt für Innere Medizin
Der Arzt wird bei akuten und chronischen Rückenschmerzen jeweils gezielte Untersuchungen veranlassen, um die zahllosen, infrage kommenden Ursachen einzugrenzen und die Diagnose zu stellen. Danach richtet sich auch die Therapie. Die Kapitel Ursachen (2) und Therapie (2) / Selbsthilfe in diesem Beitrag (siehe Kapitelübersicht oben) informieren Sie genauer darüber.
Priv. Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie
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Das sogenannte Pseudoradikulärsyndrom verursacht Schmerzen an der Wirbelsäule, die auch bis in die Beine ausstrahlen können. Weil dabei keine Nervenwurzeln beeinträchtigt werden, sind keine neurologischen Ausfälle (Nervenstörungen) zu erwarten. Ursachen können neben dem Verschleiß der Bandscheiben auch Blockierungen, besonders der kleinen Zwischenwirbelgelenke, und eine damit verbundene Instabilität sein. Das Pseudoradikulärsyndrom tritt auch im Rahmen anderer Erkrankungen der Wirbelsäule auf, zum Beispiel nach Bandscheibenoperationen, bei Osteoporose, Wirbelgleiten und diversen Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule. Zur Behandlung werden schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Bei starken Schmerzen können örtlich wirkende Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) gespritzt werden. Wenn diese den gewünschten Effekt bringen, können danach auch länger wirkende Kortikosteroide (Kortison) an dieselben Stellen gespritzt werden. Hilfreich sind zudem Verfahren der physikalischen Therapie – etwa elektrotherapeutische (Strom-) oder Wärmebehandlungen, Ultraschallanwendungen und Massagen zur Lockerung der Muskulatur.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Ja. Unterschiedlich lange Beine können die Wirbelsäule „aus dem Lot“ bringen und damit Schmerzen verursachen. Allerdings laufen viele Menschen mit nicht ausgeglichenen Beinlängenunterschieden beschwerdefrei durchs Leben. Um abzuklären, ob die Rückenschmerzen tatsächlich daher rühren, ist es sinnvoll, die unterschiedliche Beinlänge durch eine Absatzerhöhung auszugleichen.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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Sind Rückenschmerzen, insbesondere wenn sie auch nachts im Schlaf auftreten, vielleicht ein Symptom von Rheuma?
Rückenschmerzen, die auch in Ruhelage – insbesondere nachts im Schlaf – auftreten, können von starken Verschleißerscheinungen stammen, aber tatsächlich auch ein Hinweis auf eine entzündliche Erkrankung wie Rheuma oder sogar einen Tumor sein. Wenn die Schmerzen vor allem in der zweiten Nachthälfte so stark werden, dass man davon aufwacht und am Morgen nach dem Aufstehen allmählich nachlassen, sollte das unbedingt von einem Arzt oder einer Ärztin untersucht werden. In dem Fall könnte es sich um eine Bechterew-Erkrankung handeln.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Akupunktur hat sich zur Behandlung von Rückenschmerzen bewährt. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sie ebenso gut wirken kann wie die traditionellen, konservativen Therapien, bei manchen Patienten sogar besser. Inzwischen wurde die Akupunkturbehandlung auch in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Patienten mit Lendenwirbelproblemen müssen dafür nicht mehr selbst zahlen. In der Praxis werden der Arzt oder die Ärztin in jedem Einzelfall die optimale Kombination aus konservativer und fernöstlicher Behandlung suchen. Bei langwierigen Fällen, also wenn die Schmerzen etwa durch das Einspritzen eine örtlich wirkenden Betäubungsmittels nicht rasch beseitigt werden können, ist die Akupunktur geeignet, den Schmerzmittelbedarf zu reduzieren. Allerdings ist auch die Akupunktur kein Wundermittel. In Fällen, wo sämtliche medikamentösen, physikalischen oder physiotherapeutischen Behandlungen keinerlei Linderung bringen, wird auch die Akupunktur nicht helfen. Dann kann es problematisch sein, allzu lange auf einen Behandlungserfolg zu warten. Wenn sich keine Besserung abzeichnet, sollte geklärt werden, ob nicht doch operative Maßnahmen erforderlich sind. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es zu dauerhaften Nervenschädigungen kommt.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation sind grundsätzlich geeignet, auch chronische Rückenschmerzen zu behandeln, weil damit Verspannungen der Muskulatur gelöst werden. Das hilft den Schmerzkreislauf zu durchbrechen.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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Können sich hinter Rückenschmerzen beispielsweise auch Krankheiten innerer Organe als sogenannter Übertragungsschmerz verbergen?
Grundsätzlich gilt, dass Rückenschmerzen auch das Abbild von Erkrankungen innerer Organe sein können. So können Schmerzen, die zwischen Wirbelsäule und rechter Schulter auftreten, auf eine Erkrankung der Galle oder der Leber hinweisen. Ein Magengeschwür (insbesondere an der Magenhinterwand) kann sich an der Brust- oder Lendenwirbelsäule schmerzhaft bemerkbar machen. Tiefsitzende Rückenschmerzen wiederum können Begleiterscheinung einer gynäkologischen Erkrankung sein.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 03.04.2012
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